Wer ist Ich?

Selbstbewusstsein und Wasserwogen

“Das Selbst umfasst das Ich […] und das Sich, das dem Selbst den reflexiven Charakter verleiht, der ihm ermöglicht, von “sich selbst” sprechen zu können.

Das Sich-Selbst ist die Verdoppelung des Ich-Selbst im Denken, das Selbst noch einmal, aber von Aussen, aus der Distanz der Reflexion gesehen, und zwar vom Selbst selbst, das damit eine erste Form der Beziehung zu sich selbst begründet […].

Sich von sich zu entfernen, sich aus der Distanz der gewonnenen Differenz zwischen Ich und Sich zu betrachten, sich zu “erkennen”, von sich zu wissen, über sich nachzudenken und auf sich zurückzukommen, seiner selbst bewusst […].

Diese Selbstbeziehung kann nur entstehen, wenn die beiden Bezugspunkte Ich und Sich nicht miteinander identisch sind, sondern jene Beziehung zueinander gründen, die dem reflexiven Selbst zugrunde liegt.

Die Kreisförmigkeit der Bewegung vom Ich zum Sich und vom Sich zurück zum Ich, legt eine Rückkehr zum Ausgangspunkt nahe,  […]

[…] tatsächlich ist jedoch ein solches In-sich-Kreisen des Selbstbewusstseins kaum vorstellbar, denn die Rückwendung des Selbst auf sich bleibt für das Selbst nicht ohne Folgen: Im selben Maße, wie es von sich weiss, bleibt es nicht dasselbe. […]

Über Denken

avatar Katharina Neuhofer

Ernst Mach: Ich

Das Ich nach Ernst Mach, in Worte gefasst von Hermann Bahr

Ernst Mach’s Theorie der Illusion über die beständige Substanz, die in dem Satz „das Ich ist unrettbar“ mündet, hatte auf die intellektuelle Welt der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts enormen Einfluss. Ein Ich, das in der brüchigen Zone zwischen Realität und Illusion schwebt, das sich nach Mach’s Elementenlehre nur durch die Kontinuität von inneren und äußeren Sinneseindrücken, durch Gewohnheit, formt und ständig verändert. Das wie ein impressionistisches Gemälde aus einer Unzahl von einzelnen Teilchen, Flecken besteht. Ein Ich, das als Teil der Welt in der Welt aufgeht und keine abgetrennte Einheit ist, keine Substanz darstellt, dessen Inhalt daher auch nach dem physischen Tod nicht verloren geht. Es ist ein Elementenkomplex, dessen Zusammenfügung zum Ich scheinbar für die Lebenspraxis geboten ist.